https://www.ingolab.de
Fehler beim Zugriff auf die Datenbank. Bitte probieren Sie es später nocheinmal.

Mikrobiologie

In der Mikrobiologie erfolgt der direkte Nachweis (z.B. Mikroskopie, Kultur, Identifizierung mittels MALDI-TOF) von bakteriellen Krankheitserregern aus humanem Probenmaterial. Außerdem werden in der Abteilung die Proben auf humanpathogene Pilze (Spross- und Schimmelpilze, Dermatophyten) und Darmparasiten untersucht. Molekularbiologische Untersuchungen (Nachweis von Nukleinsäuren von Bakterien/Viren/Parasiten mittels PCR) werden in der Abteilung für Molekularbiologie durchgeführt.

Für die relevant pathogenen Erreger wird bei entsprechender Indikation sowie auf Wunsch des Einsenders eine Empfindlichkeitsprüfung gegenüber Antibiotika und/oder Antimykotika durchgeführt. Für einige Bakterien (z.B. ß-hämolysierende Streptokokken bei Tonsillitis), die eine relativ konstante Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen aufweisen, wird i.d.R. auf eine Sensibilitätsprüfung verzichtet.

Folgende Bedingungen sind für eine erfolgreiche mikrobiologische Diagnostik von großer Bedeutung:

  • Die Materialentnahme sollte, wenn möglich, am Ort des Infektionsgeschehens unter sterilen Bedingungen und noch vor Beginn einer antibiotischen Behandlung erfolgen.
  • Das Untersuchungsgut sollte in geeigneten sterilen Gefäßen möglichst bald ins Labor transportiert werden. Eine längere Lagerung und Transportdauer kann das Untersuchungsergebnis verfälschen.

Für die richtige Wahl der Untersuchungsmethoden und für die Beurteilung der mikrobiologischen Befunde sind auf dem Begleitschreiben folgende Angaben notwendig:

  • Die genaue Bezeichnung des Untersuchungsmaterials
  • Abnahmedatum, je nach Material (z.B. Blutkulturen) auch Entnahmezeitpunkt
  • Klinische Diagnose oder Verdachtsdiagnose, ggf. leitende Symptome
  • Ggf. gezielte Fragestellungen (z.B. Ausschluss bzw. Nachweis bestimmter Erreger)
  • Besondere pathologische (Vor-)Befunde, evtl. gezielte Antibiotikaempfindlichkeitsprüfung
  • Angaben zur Antibiotikatherapie vor Materialentnahme

Dauer der Untersuchung bis zur Ergebnismitteilung:

  • Proben werden je nach Entnahmeort und -diagnostik mindestens 48 h bebrütet, ein positives Zwischenergebnis ist frühestens nach 24 bis 48 h, im Falle eines dazwischenliegenden Wochenendes oder Feiertags auch erst nach 72 h zu erwarten. Eine Resistenzbestimmung bei Keimnachweis nimmt einen weiteren Tag in Anspruch.
  • In bestimmten Fällen (z.B. bei V.a. Brucellose, Nachweis von Gonokokken, Mykoplasmen, Aktinomyzeten, Pilzen) können längere Bebrütungszeiten erforderlich sein.
  • Positive Blutkulturen werden nach Mikroskopie sofort telefonisch durchgegeben. Erste Ergebnisse der Differenzierung und Empfindlichkeitsprüfung sind dann frühestens nach 24 h bis spätestens 72 h zu erwarten. Die gesamte Inkubationsdauer der Blutkulturflaschen beträgt i.d.R. 7 Tage.

Präanalytik Mikrobiologie

Augenabstrich

Indikationen
  • Bakterielle Konjunktivitis, Keratitis
  • V.a. Chlamydien-, Gonokokken-Infektion
  • V.a. Amöbenkeratitis
Materialgewinnung
  • Abstriche von beiden Augen entnehmen, Material vor Anwendung von Lokalanästhetika gewinnen (Lokalanästhetikum kann antibakteriell wirken)
  • Für Konjunktiva-Abstriche Tupfer mit steriler Kochsalzlösung anfeuchten und über die untere Bindehaut streichen
  • Bei Ulzerationen Material vom Geschwürrand entnehmen
  • Bei V.a. Endophthalmitis Material in der Aspirationsspritze (ohne Nadel) einsenden (ggf. nach Rücksprache mit dem Labor)
  • Bei V.a. Kontaktlinsen-assoziierten Infektionen Material von infiziertem Gewebe, keine Kontaktlinsen/-flüssigkeit einsenden
Probentransport
  • Abstrichtupfer mit Transportmedium/Gel (weiß/schwarz)
  • Abstrichtupfer für PCR getrennt einsenden
  • Raumtemperatur (< 2 h) oder gekühlt (außer bei V.a. Gonokokken)
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen
  • Amoeben (Acanthamoeba) (PCR)
  • Aktinomyzeten (Kultur, PCR)
  • Chlamydia trachomatis (PCR, Serologie)
  • Gonokokken (Kultur, PCR)
  • Virale Erreger (z.B. Adenovirus) (PCR)

Nasen-, Rachen-, Tonsillen-, Mundabstrich

Indikationen
  • V.a. bakterielle Infektion, Kolonisation mit MRSA
  • Tonsillitis, Scharlach, Diphtherie
  • Influenza, B. pertussis/parapertussis
  • V.a. Angina Plaut-Vincent
Materialgewinnung
  • Tupfer mind. 1 cm tief in die Nase bringen, durch Drehbewegungen Material gewinnen
  • Material gezielt mit dem Tupfer von entzündeten Stellen (z.B. Tonsillenkrypten) gewinnen
  • Kontakt mit Speichel vermeiden
  • Meningokokken-Nachweis aus nasopharyngealen Abstrichen (schwarz) nur auf Anforderung, nach telefonischer Rücksprache (asymptomatische Kolonisation möglich)
  • Bordetella pertussis/parapertussis-Nachweis im Rachenabstrich/-spülwasser erfolgt mittels Nukleinsäurenachweis (PCR)
  • Bei V.a. Epiglottitis Manipulation im Rachenram (Rachenabstrich) vermeiden -> Gefahr der totalen Atemwegsobstruktion; Blutkulturen entnehmen
  • Besonderheit: für MRSA-Screening einen Tupfer (Nasen-/Rachenasbtrich) einsenden; Untersuchungsauftrag beachten
Probentransport
  • Abstrichtupfer mit Transportmedium/Gel (weiß) für bakterielle Untersuchungen
  • Abstrichtupfer trocken oder mit steriler NaCl-Lsg. für PCR (Influenza, Bordetella) getrennt einsenden
  • Möglichst schneller Transport bei Raumtemperatur, ansonsten Lagerung gekühlt bei 2-8°C
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime (erfasst auch ß-hämolysierende Streptokokken)
  • Pilze (Sprosspilze)
  • MRSA-Screening (Kultur)
Spezielle Untersuchungen

Ohr-, Gehörgang-, Kieferhöhlenabstrich

Indikationen
  • V.a. bakterielle Infektion
  • Otitis externa, Otitis media
  • Sinusitis
Materialgewinnung
  • Mittelohrsekret im sterilen Röhrchen gewinnen
  • Bei V.a. Sinustitis ist Aspirat aus Nasennebenhöhlen Untersuchungsmaterial der Wahl
  • Bei Gehörgangabstrich Berührung unauffälliger Hautareale vermeiden, bei trockenen Entzündungen Tupfer mit Kochsalzlösung anfeuchten
  • Bei V.a. Otomykose Hautschuppen mit sterilem Spatel entnehmen, in sterilem Röhrchen einsenden
  • Für Operationsmaterial (z.B. Mastoiditis) Abstriche mit Kohlemedium (schwarz) oder sterile Röhrchen verwenden
Probentransport
  • Abstrichtupfer mit Transportmedium (weiß)
  • Lagerung für kurze Transportdauer bei Raumtemperatur (Operationsmaterial)
  • möglichst schneller Transport, ansonsten Lagerung gekühlt bei 2-8°C
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen
  • Schimmelpilze (Kultur, 14 Tage)

Proben aus dem Respirationstrakt (Sputum, Trachealsekret, BAL)

Indikationen
  • Bronchitis, Bronchiolitis, exazerbierte COPD
  • Pneumonie
  • Tuberkulose
  • Zystische Fibrose
Materialgewinnung
  • Sputum Entnahme (am besten Morgensputum)
  • Mund-/Rachenbereich mehrmals mit Leitungswasser spülen (außer bei V.a. Tuberkulose)
  • durch kräftige Hustenstöße Auswurf provozieren
  • direkt in ein steriles Sputumröhrchen gewinnen
  • für induziertes Sputum 20-25 ml sterile 3%-ige Kochsalzlösung inhalieren lassen
  • bei Trachealsekret und bronchoskopisch entnommenen Proben (BAL, Bronchialsekret) Kontamination des Untersuchungsmaterials mit den oberen Atemwegen vermeiden
  • BAL Menge 20-30 ml
  • Für den Nachweis von Schimmelpilzen (z.B. Aspergillus) sind steril entnommene Materialien (BAL, Gewebe) geeignet
Probentransport
  • schneller Transport ins Labor
  • max. 2 h bei Raumtemperatur, ansonsten Proben gekühlt (2-8°C) lagern
  • Bei V.a. Lungenabszess Material in sterilem Schraubengefäß bei Raumtemperatur transportieren (kleine Styroporbox)
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze und ggf. Schimmelpilze)
Spezielle Untersuchungen

Wund-, Eiter-, Abszessabstriche

Indikationen
  • Haut- und Weichteilinfektionen
  • Gasbrand
  • Nekrotisierende Fasziitis, Fournier-Gangrän
  • Ulcus bei Diabetes mellitus, pAVK
Materialgewinnung
  • Wichtig! Eiter bzw. Punktat/Sekret/Gewebe in sterilen Röhrchen liefern aussagekräftigere Ergebnisse als Abstriche. Menge ca. 2 ml, weitere Hinweise s. unter Punktate
  • ggf. Blutkulturen (aerob/anaerob) bei V.a. Sepsis entnehmen
  • Bei V.a. Gasbrand Gewebe aus Randbereich und gesundem Bereich in steriles Gefäß entnehmen, Transport so schnell wie möglich, telefonische Voranmeldung erforderlich!
  • Bei oberflächlichen Infektionen Abstrichtupfer mit Transportmedium (weiß) verwenden
  • Material (Gewebe) aus der Tiefe und aus den Randbezirken der Wunde entnehmen, Kontakt mit der gesunden Haut/Schleimhaut vermeiden (v.a. bei Ulzera, diabetischem Fuß)
  • bei Nekrosen, Abszessen, tiefen Wunden, intraoperativem Entnahmeort -> Abstrichtupfer mit Transportmedium (schwarz) verwenden
Probentransport
  • Abstrichtupfer mit Transportmedium (weiß/schwarz)
  • Lagerung für kurze Transportdauer bei Raumtemperatur (Operationsmaterial)
  • möglichst schneller Transport, ansonsten Lagerung gekühlt bei 2-8°C
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen
  • Schimmelpilze (Kultur, 14 Tage; z.B. bei Verbrennungswunden)
  • Aktinomyzeten (Kultur)

Punktate (z.B. Pleura, Aszites), Eiter/Sekrete, Biopsien

Indikationen
  • Pleuraempyem
  • Peritonitis
  • V.a. Infektion bei Peritonealdialyse (PD)
  • epidurale Abszesse
  • Postoperative Infektionen
  • chronische Ulzera
  • V.a. Helicobacter pylori Gastritis
Materialgewinnung
  • Punktion unter aseptischen Bedingungen
  • Gewinnung von Material/Gewebe an repräsentativer Stelle (Abszessrand, eitriges Material)
  • Punktate (2-5 ml) nativ in sterilen Röhrchen (Schraubverschluss), alternativ (nur keimarmes Material wie Pleuraerguss, Aszites) in Blutkulturflasche beimpfen
  • Bei V.a. auf PD-Infektion -> 10-50 ml Dialysat in sterilem Röhrchen einsenden, ggf. BK-Flaschen beimpfen
  • Gewebe in sterilem Röhrchen mit 0,9% NaCl
  • Bei Knochenmarkpunktat zur Verhinderung der Koagulation steriles Heparin zusetzen
Probentransport
  • Transport ins Labor so schnell wie möglich, ungekühlt
  • Bei Verwendung von Blutkulturflaschen Lagerung und Transport bei Raumtemperatur, innerhalb von 24 h
Routineuntersuchung
  • Mikroskopie
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen

Gelenkpunktate, Gewebe aus Gelenk, Implantate

Indikationen
  • Infektiöse Arthritis
  • Osteomyelitis
  • V.a. periprothetische Infektion
Materialgewinnung
  • Punktate nativ in sterilem Röhrchen, alternativ in Blutkulturflasche versenden (CAVE: kein mikroskopisches Direktpräparat möglich)
  • Gewebe (3-4 kleine Proben)/Implantate in sterilem Röhrchen mit Schraubverschluss mit 0,9% steriler NaCl versenden; Abstrichröhrchen sind für den Transport NICHT geeignet
  • Optimale Probengröße: ca. 1cm3; Zerkleinerung von größeren Proben im Labor erhöht die Kontaminationsgefahr!
  • Proben möglichst am Entnahmetag ins Labor einsenden
  • V.a. Infektion der Prothese/Osteosynthese mit Fremdmaterial bei der Anforderung angeben → verlängerte Inkubation bei Low-grade Infekt (14 Tage)
Probentransport
  • Lagerung bei Raumtemperatur, max. 2 h
  • Proben möglichst am Entnahmetag ins Labor einsenden
  • Bei absehbarer Transportverzögerung Proben in Thioglycolatbouillon-Röhrchen (im Labor erhältlich) versenden; ggf. bei 2-8°C für kurze Zeit lagern
Routineuntersuchung
  • Mikroskopie (Punktat)
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen

Liquor

Indikationen
  • Meningitis
  • V.a. ZNS-Infektion nach Schädelbasisbruch, neurochirurgischen Operationen
  • V.a. Shunt-Infektion (Liquor-Ableitung)
Materialgewinnung
  • Punktion unter streng aseptischen Bedingungen durchführen, die ersten 3 Tropfen verwerfen, Liquor in sterilem Polypropylen-Röhrchen (skaliert) auffangen
  • 1-2 ml für bakteriologische Untersuchung (Bakterien)
  • mind. 2-5 ml bei V.a. TBC, Pilze
  • ca. 2 ml für Liquor-Serum-Quotient; WICHTIG: gleicher Abnahmetag wie Serum
  • Bei V.a. bakterielle Meningitis zusätzlich mind. 2 Blutkulturpaare entnehmen
  • ggf. im Labor ankündigen!
Probentransport
  • Im Notfall schneller Transport (optimal < 2 h), im Labor telefonisch ankündigen
  • Vermeidung von Abkühlung (Material bei Raumtemperatur lagern und transportieren)
  • Proben möglichst am Entnahmetag ins Labor schicken
  • für längere Transportzeiten Liquor in vorgewärmte Blutkulturflaschen einimpfen, unter möglichst temperierten Bedingungen (Styropor-Umverpackung) einsenden
  • Infektionsserologie, Nukleinsäurenachweis (PCR): Transport gekühlt (2-8 °C)
Routineuntersuchung
  • Mikroskopie
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen
  • Meningokokken (Kultur, PCR)
  • Tuberkulose (Kultur, PCR)
  • Amoeben (PCR, Rücksprache erbeten)
  • Kryptokokken (Kultur, PCR)
  • Antikörpernachweis bei V.a. Neuro-Borreliose, -Lues oder zerebrale Toxoplasmose, siehe Infektionsserologie

Blut (Blutkultur)

Indikationen
  • Bakteriämie/Fungämie bei Fieber unklarer Genese, Pneumonie, Sepsis, Meningitis, Peritonitis
  • Knochen-/Gelenk-Infektionen
  • Parasitämie (s. Malaria)
Materialgewinnung
  • Blutentnahme vor Beginn der Antibiotikatherapie oder am Ende des Dosierungsintervals (vor der nächsten Antibiotika-Gabe), unabhängig vom Fieberanstieg
  • Periphere Punktionsstellen bevorzugen (venös, arteriell)
  • Bei V.a. Katheterinfektion zeitnahe Blutentnahme jeweils aus der peripheren Vene/Arterie UND aus dem Katheter (Port, ZVK)
  • Probenahme
    • hygienische Händedesinfektion (30 sec.) und Einmalhandschuhe
    • zweimalige Desinfektion der Punktionsstelle (Einwirkzeit mindestens 60 Sekunden; vollständige Trocknung des Alkohols abwarten!)
    • Plastikkappe entfernen, Diaphragma desinfizieren, beide Flaschen beimpfen, nicht belüften
    • Bei Kontamination der Flaschenaußenwand mit Blut Flasche vor dem Transport unbedingt desinfizieren
  • Bei Erwachsenen 8-10 ml Blut pro Blutkulturflasche entnehmen (aerob/anaerob)
  • Bei pädiatrischen Patienten 1 – 3 ml Blut pro BK-Flasche; Entnahme von 2 Blutkulturen im Abstand von ca. 30 Min. in spezieller Blutkulturflasche BD BACTEC PEDS PLUS Blutkulturflaschen
  • Bei V.a. Sepsis: Entnahme von 2 bis 3 Blutkultursets immer aerobe und anaerobe BK-Flasche im Abstand von wenigen Minuten aus verschiedenen Punktionsstellen
  • Bei V.a. Endokarditis: Entnahme mind. 3-5 Flaschenpaare im Abstand von 4-6 Stunden (ggf. an verschiedenen Tagen)
  • Bei V.a. Brucellose Venenblut (mind. 3 aerobe Flaschen) ggf. auch Knochenmarkpunktat in Blutkultur-Flaschenset entnehmen; Labor telefonisch im Voraus benachrichtigen → Gefahr von Laborinfektionen!
  • Abnahmedatum und Uhrzeit auf dem Begleitschreiben und auf den Blutkulturflaschen notieren
  • Barcode der Blutkultur-Flaschen nicht bekleben
Probentransport
  • Lagerung und Transport bei Raumtemperatur so schnell wie möglich
  • Blutkulturen nicht vorbebrüten
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime (bis zu 7 Tage)
  • Pilze (Sprosspilze) (bis zu 7 Tage)
Spezielle Untersuchungen
  • V.a. Brucellose (Bebrütung bis 21 Tage)
  • Endokarditis (längere Bebrütungsdauer)
  • Malaria und andere Blutparasiten (EDTA-Blut, Mikroskopie, PCR)
  • Tuberkulose

Katheterspitze (Port, ZVK, Dialysekatheter)

Indikationen
  • Katheterassoziierte Infektion/Sepsis
Materialgewinnung
  • Katheter nach Desinfektion der Einstichstelle herausziehen, Spitze (ca. 5 cm) mit steriler Schere abschneiden und in steriles Röhrchen (ohne Transportmedium) einbringen
  • Bei Transportverzögerung in steriler 0,9 % NaCl- oder Ringer-Laktat-Lösung versenden
Probentransport
  • möglichst schneller Transport bei Raumtemperatur,ansonsten Lagerung gekühlt bei 2-8°C
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)

Proben aus dem Urogenitaltrakt

Indikationen
  • Vaginaler Fluor/bakterielle Vaginose
  • V.a. sexuell übertragbare Infektionen (STI)
  • Zervizitis
  • Urethritis
  • V.a. Infektion bei vorzeitigem Blasensprung
  • Screening auf S. agalactiae (B-Streptokokken)
Materialgewinnung
  • Bei V.a. bakterielle Vaginose ggf. zwei Abstriche einsenden: ein Abstrich für NUGENT-Score (bitte den Hinweis „Gesund schwanger“ auf Anforderungsschein vermerken) und ein Abstrich, falls eine Untersuchung auf pathogene Keime erwünscht
  • Bei V.a. Mycoplasma hominis/Ureaplasmen/Gonokokken Infektion Abstrichtupfer mit Gel (schwarz) für kulturelle Untersuchung verwenden
  • Bei V.a. N. gonorrhoe und/oder C. trachomatis Zervixabstrich (Frauen), ggf. Erststrahlurin (Männer) gewinnen
  • Bei V.a. Urethritis dünnen Wattetupfer verwenden, mindestens zwei Stunden Abstand nach der letzten Miktion beachten und purulentes Sekret gewinnen
  • Wenn, zusätzlich zu pathogenen Keimen, eine PCR Untersuchung erwünscht (z.B. auf Gonokokken, Chlamydien, M. genitalium) bitte einen zweiten Abstrich (spezielle Transportmedien im Labor erhältlich) einsenden
  • Bei Schwangeren bitte um Angabe der Schwangerschaftswoche
  • Bei V.a. STI Partneruntersuchung sinnvoll
Probentransport
  • Proben (Abstriche mit Transportmedium, Sekrete in sterilem Röhrchen) möglichst schnell ins Labor transportieren (< 4 h), ansonsten gekühlt lagern (2-8°C)
  • Bei der Untersuchung auf Gonokokken erfolgt der Transport ungekühlt innerhalb kürzester Zeit (s. Spezialdiagnostik)
Routineuntersuchung
  • Mikroskopie (NUGENT Score)
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen
  • Chlamydia trachomatis (PCR, Serologie)
  • Gonokokken (Kultur, PCR)
  • Mycoplasma genitalium (PCR)
  • Trichomonas vaginalis (PCR)
  • Listerien (Kultur, PCR)
  • Treponema pallidum (Syphilis) (Serologie, PCR)
  • HSV 1/2 (PCR)

Urinprobe

Indikationen
  • Zystitis
  • Pyelonephritis
  • Urosepsis (immer auch 2 Paar Blutkulturen einsenden)
Materialgewinnung
  • Für eine verlässliche Keimzahlbestimmung ist Nativurin („Morgenurin“ oder Urin gewonnen drei Stunden nach der letzten Miktion) das optimale Untersuchungsmaterial
  • Die Untersuchung des Nativurins erlaubt eine schnellere Diagnostik durch den Wegfall der Subkulturen!
  • Vorschriftsmäßig (nach Reinigung der äußeren Genitalien) gewonnener Mittelstrahlurin ist in den meisten Fällen für die bakteriologische Diagnostik ausreichend
  • Für den Nachweis von Mycoplasma hominis/Ureaplasmen ist Erststrahlurin erforderlich
  • Katheter- und Blasenpunktionsurin sind unter sterilen Bedingungen zu entnehmen
  • bei Dauerkatheter-Träger Urin nach Katheterwechsel (< 48 h) entnehmen
  • Beutelurin aus dem Auffangbeutel eines Dauerkatheters ist für die Untersuchung bei V.a. HWI nicht geeignet!
  • Eintauchnährböden (Urikult) liefern keine zuverlässige Keimzahl und sind weniger geeignet für die Diagnostik als Nativurin. Zu Probenahme: Urin in sterilem Gefäß auffangen, Nährboden durch vollständiges Eintauchen beimpfen, überschüssigen Urin abtropfen lassen (im Transportgefäß sollte kein Urin sein!). Ggf. über Nacht bei 36 + 1°C inkubieren und bewachsenen Träger ins Labor einsenden
  • Für die Untersuchung auf Parasiten (z.B. Schistosoma) 24 h Sammelurin um Mittagszeit gewinnen
  • Urinprobe in sterilem Gefäß gewinnen (10 ml)
  • Art der Urinprobe (Mittelstrahl-, Katheter-, Blasenpunktionsurin, Ileumkonduit) angeben
Probentransport
  • Lagerung und Transport erfolgen umgehend, bei 2-8°C
  • bei Transportzeiten > 24 h Urin mit Borsäure als Stabilisator versetzen. CAVE: Verfälschung der Keimzahl durch inhibitorische Wirkung der Borsäure
Routineuntersuchung
  • Keimzahlbestimmung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
Spezielle Untersuchungen

Stuhlprobe

Indikationen
  • Gastroenteritis
  • V.a. Clostridioides difficile Kolitis
  • V.a. Infektion mit Darmparasiten
  • Darmtuberkulose
  • Reisediarrhoe
Materialgewinnung
  • Möglichst kurz nach Infektionsbeginn eine etwa kirschgroße Probe vom frisch abgesetzten Stuhl in ein Stuhlröhrchen geben (Röhrchen muss mind. zu 1/3 befüllt sein)
  • Beigemengte Eiter- oder Schleimflocken sowie makroskopisch sichtbares Blut mit einem sterilen Tupfer entnehmen und in ein Transportmedium geben
  • Bei V.a. Antibiotika-assoziierte Kolitis ist lt. Leitlinien eine Stufendiagnostik auf Clostridioides (Clostridium) difficile nur aus flüssigen Stühlen empfohlen:
    • Screening mittels Antigennachweis (GDH) bei positivem Ergebnis wird der Toxin-Nachweis mittels EIA und/oder PCR durchgeführt >li>bei Kindern unter 2 Jahren ist eine Diagnostik auf C. difficile aufgrund der hohen Durchseuchung wenig aussagekräftig
    • frisch gewonnen Stuhl umgehend versenden, ansonsten sofort kühlen
  • Bei V.a. Lebensmittelintoxikation durch Staphylococcus aureus-Enterotoxine erfolgt die Diagnostik mittels Toxinnachweis aus der Lebensmittelprobe; eine Besiedlung des GI-Traktes mit S. aureus kommt relativ häufig vor
  • Bei V.a. Gastroenteritis viraler Genese erfolgt die Untersuchung mittels Nukleinsäurenachweis (PCR) in der Molekularbiologie
  • Bei V.a. Parasiten-Infektion (z.B. Ascaris, Taenia) mindestens 3 Stuhlproben in Abstand vor 1-2 Tagen untersuchen; Stuhlröhrchen muss zu 1/2 befüllt sein; die Untersuchung erfolgt mittels Mikroskopie
  • Bei V.a. Oxyuren 2-3 Klarsichtklebefolien („Tesa-Streifen“) morgens vor dem Waschen auf den After drücken, dann mit der Klebeseite nach unten jeweils auf Objekträger kleben und mit Objekträgerhülle bei Raumtemperatur verschicken
  • Ggf. Reiseanamnese angeben
Probentransport
  • Schneller Transport ins Labor
  • max. 2 h bei Raumtemperatur, ansonsten Lagerung und Transport bei 2-8 °C
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime (Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter)
  • Darmpathogene Escherichia coli bei Patienten unter 4 Jahren und über 70 Jahren
  • C. difficile Stufendiagnostik (CLIA/PCR)
  • Adeno-/Rota-/Noroviren (PCR)
  • Parasiten (Mikroskopie)
Spezielle Untersuchungen

Haut, Haare, Nägel

Indikationen
  • V.a. Mykose der Haut- und Hautanhangsgebilde mit Sprosspilzen und Dermatophyten (z.B. Tinea, Pityriasis)
Materialgewinnung
  • Für die Untersuchung auf Sprosspilze (z.B. Candida) bei V.a. Haut-/Schleimhautinfektion können Abstriche mit Transportmedium (weiß) verwendet werden
  • Für die Untersuchung auf Dermatophyten bei V.a. Tinea werden Hautgeschabsel, Haare, Nagelmaterial in sterilen Röhrchen benötigt; Abstriche sind für diese Fragestellung ungeeignet!
  • Probenahme für die Untersuchung auf Dermatophyten
    • Hautgeschabsel/-schuppen
      • Haut mit Alkohol desinfizieren
      • Hautschuppen mit einem Skalpell oder einem scharfen Löffel abschaben und in einem sterilen Gefäß (z.B. Eppendorf-Röhrchen) auffangen
      • Materialentnahme bevorzugt am Übergang zum gesunden Gewebe gewinnen
    • Haare
      • von verdächtigen Bezirken mindestens zehn Haare mit einer Epilier Pinzette mit Wurzel auszupfen, im Kunststoffbehälter mit Schraubdeckel einsenden (z.B. Sputumröhrchen)
      • Abgeschnittene Haarbüschel sind ungeeignet!
    • Nägel
      • Haut mit Alkohol desinfizieren
      • Mit Skalpell oder scharfem Löffel Nagelschuppen möglichst aus dem Randbereich zum gesunden Gewebe entnehmen, in einem sterilen Gefäß (z.B. steriles Eppendorf-Röhrchen) auffangen
      • Große Nagelstücke sind ungeeignet!
Probentransport
  • Abstriche: Raumtemperatur max. 4 h, ansonsten Lagerung und Transport gekühlt, bei 2-8°C
  • Untersuchung auf Dermatophyten: Transport und Lagerung bei Raumtemperatur
Routineuntersuchung
  • Pathogene Keime
  • Pilze (Sprosspilze)
  • Dermatophyten (Kultur und KOH-Präparat, wenn ausreichend Material vorhanden)
Spezielle Untersuchungen
  • Parasiten (z.B. Skabies, Läuse) (Mikroskopie)

Tuberkulose

Indikationen
  • V.a. Infektion mit Mycobacterium tuberculosis-Komplex
  • V.a. Infektion mit nicht tuberkulösen Mykobakterien (MOTT)
Materialgewinnung
  • Für die Materialgewinnung und Transport sterile Schraubgefäße verwenden
  • Aufgrund der oft nur sehr geringen Bakteriendichte Untersuchung von mindestens drei an verschiedenen Tagen gewonnenen Proben empfohlen
  • Probengewinnung vor Therapiebeginn bzw. 2-3 Tage nach Absetzen der Tuberkulostatika
  • Sputum: 2-5 ml, morgens bei nüchternem Patienten (vor der Mundtoilette)
  • Magensekret/Magenspülwasser: 2-5 ml/20-30 ml, Patient nüchtern
  • Bronchialsekret: 2-5 ml; CAVE: Lokalanästhetika können bakterizid wirken
  • BAL/Pleurapunktate: 20-30 ml
  • Urin: 30-50 ml, Morgenurin, nach Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr am Vorabend
  • Liquor: 3-5 ml, nativ, sehr geringe Keimdichte
  • Blut: 5-10 ml Heparin/Citratblut
  • Gewebe: ca. 1 g (mehrere Biopsien in ster. 0,9% NaCl) ohne Formalin!
  • Menstrualblut: mind. 5 ml in Verhältnis 1:2 mit ster. 0,9% NaCl versetzt
  • Stuhl: mind. kirschgroße Probe; nur bei immunsupprimierten Patienten oder V.a. atypische Mykobakterien sinnvoll; bei V.a. Darmtuberkulose endoskopisch gewonnene Biopsien vorziehen
  • Abstrichtupfer sind für die Untersuchung auf Mykobakterien NICHT geeignet
Probentransport
  • Lagerung und Transport umgehend, gekühlt bei 2-8°C
  • Liquor bei Raumtemperatur
Routineuntersuchung
  • Mikroskopie (Auramin-, ggf. Ziehl-Neelsen-Färbung)
  • Kultur (Dauer ca. acht Wochen) – Goldstandard
  • PCR (nur bei begründetem Verdacht auf Mykobakteriose UND in Verbindung mit der Kultur)
  • Empfindlichkeitsprüfung (bitte ggf. Rücksprache mit dem Labor)

Screening auf multiresistente Erreger (MRSA, VRE, MRGN)

Indikationen
  • V.a. Besiedlung mit multiresisten Erregern
  • Aufnahmescreening bei Risikopatienten im Krankenhaus
  • Bekannte Infektion mit multiresistenten Erregern
Materialgewinnung
  • Abstriche mit Transportmedium (weiß)
  • Abstriche von Nasenvorhof, Rachen, Leiste/perineal, Rektum
  • Abstrich von Wunden bei V.a. Besiedlung
  • Kontrollabstriche nach Sanierung bei MRSA-Dekolonisation
Probentransport
  • gekühlt bei 2-8°C
Routineuntersuchung
  • MRSA (Methicillin-resistenter S. aureus)
  • MRGN (multiresistente gramnegative Erreger)
  • VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken)
Spezielle Untersuchungen